8:47 Uhr. 1. Stunde Religion. Thema
Suizid. Wir hören ein Referat mit vielen Zahlen und Statistiken.
Danach werden wir nach unserer Meinung gefragt. Wann ist es
vertretbar? Und: Ist es überhaupt vertretbar? Apple, mit der –ausnahmsweise- mündlichen Eins meldet sich. „Ich finde, wenn
jemand keine Lust mehr zu leben hat, sollte man es beenden dürfen.
Wir werden ja auch nicht gefragt, ob wir überhaupt geboren werden
wollen. Jeder sollte selbst über sein eigenes Leben entscheiden
dürfen, das ist besser, als würde man nur…existieren.“ Frau
Lehrerin hat eine andere Meinung. Aber sie akzeptiert meine Worte.
Viele Menschen, die sich das Leben nehmen, haben meist schon mehrere
Suizidversuche hinter sich steht auf der Power Point Präsentation
hinter ihr. Aber was zählt eigentlich als Versuch? Für mich ist
jeder Tag, an dem ich aufstehe und rausgehe ein Suizidversuch. Auf
die Straße zu gehen, meine Zeit mit Leuten zu verbringen, die ich nicht mag, die ich nicht kenne und die falsch sind, das zählt für mich als Versuch, sich das Leben zu
nehmen. In die Stadt zu gehen, Menschen zu sehen, die einem fremd
sind, Paranoia zu schieben und versuchen, unsichtbar zu bleiben,
während man ein neonfarbenes Kostüm und ein Schild über dem Kopf
trägt, auf dem „schaut her, schaut mich an, verurteilt mich und
bildet euch eine Meinung über mich“ ist für mich ein
Suizidversuch. Über die Straße zu gehen, für nur wenige Sekunden
am Straßenverkehr teilzunehmen, ist ein Suizidversuch für mich. Ich
möchte mich nicht vor das nächstbeste Auto werfen. Aber für mich
ist allein das Wechseln der Straßenseite mit so viel Angst
verbunden, dass ich befürchte, dort sterben zu können. Für mich
ist so gesehen jeder Tag ein Suizidversuch. Jeder Tag, an dem ich mich
Gefahren aussetze, fremden Menschen begegne, oder bekannten. Für
mich beginnt jeder Suizidversuch, mit dem Moment, in dem mein Wecker
klingelt. Weil es nicht das Messer, die Tabletten oder der Strick ist, der einem das Leben nimmt. Sondern das Leben selbst.

Und genau deswegen sind deine Texte die besten, Apple. Weil du einfach das sagst, was mir im Kopf schwirrt.
AntwortenLöschenDu sprichst mir aus der Seele.
AntwortenLöschenApple, das ist einer der beste Texte, die ich je von dir gelesen habe.
AntwortenLöschenDanke dafür-
Hab dich lieb
AntwortenLöschenImmer wieder erstaunlich das es noch menschen gibt die nachdenken.
GENAU DAS! GANZ GENAU DAS!
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