Mittwoch, 12. Februar 2014

Suizid

8:47 Uhr. 1. Stunde Religion. Thema Suizid. Wir hören ein Referat mit vielen Zahlen und Statistiken. Danach werden wir nach unserer Meinung gefragt. Wann ist es vertretbar? Und: Ist es überhaupt vertretbar? Apple, mit der –ausnahmsweise- mündlichen Eins meldet sich. „Ich finde, wenn jemand keine Lust mehr zu leben hat, sollte man es beenden dürfen. Wir werden ja auch nicht gefragt, ob wir überhaupt geboren werden wollen. Jeder sollte selbst über sein eigenes Leben entscheiden dürfen, das ist besser, als würde man nur…existieren.“ Frau Lehrerin hat eine andere Meinung. Aber sie akzeptiert meine Worte. Viele Menschen, die sich das Leben nehmen, haben meist schon mehrere Suizidversuche hinter sich steht auf der Power Point Präsentation hinter ihr. Aber was zählt eigentlich als Versuch? Für mich ist jeder Tag, an dem ich aufstehe und rausgehe ein Suizidversuch. Auf die Straße zu gehen, meine Zeit mit Leuten zu verbringen, die ich nicht mag, die ich nicht kenne und die falsch sind, das zählt für mich als Versuch, sich das Leben zu nehmen. In die Stadt zu gehen, Menschen zu sehen, die einem fremd sind, Paranoia zu schieben und versuchen, unsichtbar zu bleiben, während man ein neonfarbenes Kostüm und ein Schild über dem Kopf trägt, auf dem „schaut her, schaut mich an, verurteilt mich und bildet euch eine Meinung über mich“ ist für mich ein Suizidversuch. Über die Straße zu gehen, für nur wenige Sekunden am Straßenverkehr teilzunehmen, ist ein Suizidversuch für mich. Ich möchte mich nicht vor das nächstbeste Auto werfen. Aber für mich ist allein das Wechseln der Straßenseite mit so viel Angst verbunden, dass ich befürchte, dort sterben zu können. Für mich ist so gesehen jeder Tag ein Suizidversuch. Jeder Tag, an dem ich mich Gefahren aussetze, fremden Menschen begegne, oder bekannten. Für mich beginnt jeder Suizidversuch, mit dem Moment, in dem mein Wecker klingelt. Weil es nicht das Messer, die Tabletten oder der Strick ist, der einem das Leben nimmt. Sondern das Leben selbst.


5 Kommentare:

  1. Und genau deswegen sind deine Texte die besten, Apple. Weil du einfach das sagst, was mir im Kopf schwirrt.

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  2. Apple, das ist einer der beste Texte, die ich je von dir gelesen habe.
    Danke dafür-

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  3. Hab dich lieb
    Immer wieder erstaunlich das es noch menschen gibt die nachdenken.

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Wenn du es doch tust, werde ich dich leider erschießen müssen. Sorry, das sind die Regeln.