Mittwoch, 26. März 2014

Vale

Ich tippte ein pessimistisches „Aber wir sehen uns sowieso nie wieder“ in die Tasten. 2 Minuten später vibrierte mein Handy auf dem Tisch. Sein „Wir sehen uns wieder, klar?“ klang wie ein „Klar sehen wir uns wieder!“, es klang wie ein Versprechen.
3 Wochen später

Wir fuhren mit dem Auto durch ein altes, dunkles Industriegebiet, überquerten ein paar verlassene Kreuzungen, und obwohl ich mich nur sehr schlecht an Situationen und kurze Augenblicke erinnern kann, trage ich die Erinnerung in mir, dass ich in diesem Moment sehr zufrieden mit allem war. 3 Wochen waren vergangen. Genau 21 Tage, an denen ich an jedem Einzelnen an seine Worte, sein Versprechen und an die Vorfreude auf ein Wiedersehen gedacht habe. Allein der Gedanke daran hatte mich jedes Mal glücklich gestimmt. „Lass uns gleich da vorne raus, ja? Es ist nur noch ein Stück bis zu dem Club“ bestimmte Andrea, die auf dem Beifahrersitz saß. „Ich fahr euch jetzt bis hin“ -“Aber wir müssen nur noch in die Straße abbiegen und dann..“ sie stockte. Ihre Mutter war schon abgebogen und mit dem Auto bis vor den Eingang des Clubs gefahren. Eine mehrere hundert Meter lange Schlange an Menschen drehte sich zu uns herum. Peinlich berührt stiegen wir aus dem Wagen und reihten uns ein. Andrea fluchte. Es roch nach 16-21 Jährigen. Es roch nach One Million Parfüm und nach billigem Wodka mit Energy, den man in eine alte Eistee Plastikflasche gekippt hatte, welche man vorher exen musste, wenn man nicht den teuren Wodka im Club bezahlen mochte. Es roch nach billigen, selbst gedrehten Kippen und Rauch. Es roch nach Jugend. Die Stadt, die bis vor ein paar Metern noch wie eine Geisterstadt wirkte, war auf einen Schlag wieder belebt. Es schien, als hätten alle Leute sich versammelt, als gäbe es nur dieses eine Konzert auf der Welt, hier in diesem Augenblick. Die Nacht war unglaublich kalt und die Mädels, die in ihren viel zu kurzen Kleidern und den viel zu hohen Schuhen, in denen sie nicht laufen konnten, an uns vorbeistöckelten und vorne am Eingang versuchten, sich reinzudrängeln froren so, wie es sich für eine Märznacht im viel zu kurzen Kleid und viel zu hohen Schuhen gehörte. Wir blieben trotz der Kälte an unserem Platz und taten so, als würde es uns nichts ausmachen, dass sich jeder an uns vorbei schlich. Nach 1,5 Stunden wurde die eisige Stimmung durch ein „Da ist ja Vale!“ von Andrea belebt. Ich blickte mich um. Auch er und sein Kumpel hatten Mädchen im Schlepptau, die viel zu kurze Kleider und viel zu hohe Schuhe trugen. Nach One Million roch er aber ganz bestimmt nicht. Das wusste ich genau. Auch sie reihten sich vorne ein. „Wenn ich seine Nummer hätte, würd ich ihn jetzt anrufen“ murmelte mein Bruder wütend, der das lange Anstehen in der Schlange satt hatte. Ich lächelte. Seine Nummer behielt ich trotzdem für mich. Als wir ein paar Minuten später endlich im Club waren, trafen wir ihn kurz wieder. Er war auf dem Weg nach draußen, um auf der Terrasse zu rauchen. Er warf ein kurzes „Hey!“ und „Wir sehen uns später“ in die Runde, ohne mich anzusehen. Er trug ein schwarz-weiß kariertes Hemd und sah darin unheimlich gut aus. Irgendwie hatte ich schon zu diesem Zeitpunkt die leise Ahnung, dass sich der letzte Satz nicht bewahrheiten würde. Und auch sein Versprechen nicht. Die ganze Nacht lang hielt ich Ausschau nach dem schwarz-weiß karierten Hemd und jubelte jedes Mal innerlich, wenn ich jemanden mit seiner Statur sah, doch war jedes Mal enttäuscht, weil keine davon in einem schwarz-weiß kariertem Hemd steckte. „Hey, bist du nicht die..“ quatschte mich jemand in einem einfarbigen Oberteil an, doch ich unterbrach ihn mit einem „Nee.“ und drehte mich weg. Ich wollte nur diesen Einen.

5 Kommentare:

  1. Entschuldige, dass ich nicht auf den Text eingehe

    Falls du möchtest: http://infinitely-hungry.blogspot.de/2014/04/intermezzo.html

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  2. bei welchem konzert war das?:)

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  3. Deine Texte sind so wahnsinnig gut. Ich habe immer das Gefühl, ich bin direkt dabei, obwohl ich ja niemanden der Menschen dort persönlich kenne. Und doch fühlt es sich so vertraut an. Mich berührt das jedes Mal aufs Neue sehr und ich freue mich schon, wenn du das nächste mal etwas veröffentlichst. Ganz lieber Gruß - Bianca

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  4. Tut mir Leid, mir fehlts auch aber im Moment schreibe ich halt so gut wie gar nicht. Aber ich versuche auch das bald mal wieder zu ändern :)

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