Ich tippte ein pessimistisches „Aber
wir sehen uns sowieso nie wieder“ in die Tasten. 2 Minuten später
vibrierte mein Handy auf dem Tisch. Sein „Wir sehen uns wieder,
klar?“ klang wie ein „Klar sehen wir uns wieder!“, es klang wie
ein Versprechen.
3 Wochen später
Wir fuhren mit dem Auto durch ein
altes, dunkles Industriegebiet, überquerten ein paar verlassene
Kreuzungen, und obwohl ich mich nur sehr schlecht an Situationen und
kurze Augenblicke erinnern kann, trage ich die Erinnerung in mir,
dass ich in diesem Moment sehr zufrieden mit allem war. 3 Wochen
waren vergangen. Genau 21 Tage, an denen ich an jedem Einzelnen an
seine Worte, sein Versprechen und an die Vorfreude auf ein
Wiedersehen gedacht habe. Allein der Gedanke daran hatte mich jedes
Mal glücklich gestimmt. „Lass uns gleich da vorne raus, ja? Es ist
nur noch ein Stück bis zu dem Club“ bestimmte Andrea, die auf dem
Beifahrersitz saß. „Ich fahr euch jetzt bis hin“ -“Aber wir
müssen nur noch in die Straße abbiegen und dann..“ sie stockte.
Ihre Mutter war schon abgebogen und mit dem Auto bis vor den Eingang
des Clubs gefahren. Eine mehrere hundert Meter lange Schlange an
Menschen drehte sich zu uns herum. Peinlich berührt stiegen wir aus
dem Wagen und reihten uns ein. Andrea fluchte. Es roch nach 16-21
Jährigen. Es roch nach One Million Parfüm und nach billigem Wodka
mit Energy, den man in eine alte Eistee Plastikflasche gekippt hatte,
welche man vorher exen musste, wenn man nicht den teuren Wodka im Club
bezahlen mochte. Es roch nach billigen, selbst gedrehten Kippen und
Rauch. Es roch nach Jugend. Die Stadt, die bis vor ein paar Metern
noch wie eine Geisterstadt wirkte, war auf einen Schlag wieder
belebt. Es schien, als hätten alle Leute sich versammelt, als gäbe
es nur dieses eine Konzert auf der Welt, hier in diesem Augenblick.
Die Nacht war unglaublich kalt und die Mädels, die in ihren viel zu
kurzen Kleidern und den viel zu hohen Schuhen, in denen sie nicht
laufen konnten, an uns vorbeistöckelten und vorne am Eingang
versuchten, sich reinzudrängeln froren so, wie es sich für eine
Märznacht im viel zu kurzen Kleid und viel zu hohen Schuhen gehörte.
Wir blieben trotz der Kälte an unserem Platz und taten so, als
würde es uns nichts ausmachen, dass sich jeder an uns vorbei
schlich. Nach 1,5 Stunden wurde die eisige Stimmung durch ein „Da
ist ja Vale!“ von Andrea belebt. Ich blickte mich um. Auch er und
sein Kumpel hatten Mädchen im Schlepptau, die viel zu kurze Kleider
und viel zu hohe Schuhe trugen. Nach One Million roch er aber ganz
bestimmt nicht. Das wusste ich genau. Auch sie reihten sich vorne
ein. „Wenn ich seine Nummer hätte, würd ich ihn jetzt anrufen“
murmelte mein Bruder wütend, der das lange Anstehen in der Schlange
satt hatte. Ich lächelte. Seine Nummer behielt ich trotzdem für
mich. Als wir ein paar Minuten später endlich im Club waren, trafen
wir ihn kurz wieder. Er war auf dem Weg nach draußen, um auf der
Terrasse zu rauchen. Er warf ein kurzes „Hey!“ und „Wir sehen
uns später“ in die Runde, ohne mich anzusehen. Er trug ein
schwarz-weiß kariertes Hemd und sah darin unheimlich gut aus.
Irgendwie hatte ich schon zu diesem Zeitpunkt die leise Ahnung, dass
sich der letzte Satz nicht bewahrheiten würde. Und auch sein
Versprechen nicht. Die ganze Nacht lang hielt ich Ausschau nach dem
schwarz-weiß karierten Hemd und jubelte jedes Mal innerlich, wenn
ich jemanden mit seiner Statur sah, doch war jedes Mal enttäuscht,
weil keine davon in einem schwarz-weiß kariertem Hemd steckte. „Hey,
bist du nicht die..“ quatschte mich jemand in einem einfarbigen
Oberteil an, doch ich unterbrach ihn mit einem „Nee.“ und drehte
mich weg. Ich wollte nur diesen Einen.
Entschuldige, dass ich nicht auf den Text eingehe
AntwortenLöschenFalls du möchtest: http://infinitely-hungry.blogspot.de/2014/04/intermezzo.html
bei welchem konzert war das?:)
AntwortenLöschenKollegah :D
LöschenDeine Texte sind so wahnsinnig gut. Ich habe immer das Gefühl, ich bin direkt dabei, obwohl ich ja niemanden der Menschen dort persönlich kenne. Und doch fühlt es sich so vertraut an. Mich berührt das jedes Mal aufs Neue sehr und ich freue mich schon, wenn du das nächste mal etwas veröffentlichst. Ganz lieber Gruß - Bianca
AntwortenLöschenTut mir Leid, mir fehlts auch aber im Moment schreibe ich halt so gut wie gar nicht. Aber ich versuche auch das bald mal wieder zu ändern :)
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